BETT statt MÜLL: Ein Festivalwochenende, das verbindet

BETT statt MÜLL: Ein Festivalwochenende, das verbindet

Was passiert mit Schlafsäcken, Isomatten und Zelten, die nach einem Festival nicht mehr gebraucht werden? Bei der Aktion „BETT statt MÜLL“ auf dem M’era Luna Festival in Hildesheim wurden daraus konkrete Hilfe, nachhaltiges Handeln und viele besondere Begegnungen.

Hildesheim. Am 8. und 9. August war das Sozialcafé Vinzenzpforte gemeinsam mit seinen „Friends“ auf dem M’era Luna Festival auf dem Hildesheimer Flughafengelände dabei. Das Ziel: Campingausrüstung sammeln, die nach dem Festival nicht mehr gebraucht wird, und sie an Menschen ohne Wohnung in Hildesheim weitergeben.

Dabei waren 17 Helferinnen und Helfer im Einsatz – größtenteils Gäste des Sozialcafés Vinzenzpforte. Mit einem Bollerwagen ging es über das Festivalgelände und die Campingplätze. Wer einen nicht mehr benötigten Schlafsack, eine Isomatte oder ein Pop-up-Zelt abgeben wollte, konnte die Sachen direkt an das Team übergeben. Zusätzlich gab es ein Aktionszelt als feste Anlauf- und Sammelstelle.

Aus Festival-Ausrüstung wird konkrete Hilfe

Die Resonanz war groß: Insgesamt kamen rund 80 Schlafsäcke, 30 Isomatten und Luftbetten, neun gut erhaltene Zelte sowie weitere Campingartikel zusammen.

Besonders schön: Viele der gespendeten Sachen waren nicht einfach kaputt oder unbrauchbar. Im Gegenteil – zahlreiche Schlafsäcke und Isomatten waren noch sehr gut erhalten und können direkt weiterverwendet werden.

„Unsere Aktion hieß ‚BETT statt MÜLL‘, aber viele Festivalfans haben sich ganz bewusst dafür entschieden, ihre gut erhaltenen Sachen zu spenden. Es war schön zu erleben, mit wie viel Wertschätzung und Engagement die Menschen dabei waren“, sagt Marie Hilgenfeld, Leiterin der Vinzenzpforte.

Nach dem Festival wurden die Sachspenden sortiert und gereinigt. Inzwischen sind sie bereits dort angekommen, wo sie gebraucht werden: bei Organisationen in Hildesheim, die Menschen ohne Wohnung unterstützen – darunter die LOBBY, die Bahnhofsmission, die Ambulante Wohnungslosenhilfe und der Gute Hirte.

Damit haben die gespendeten Dinge ein zweites Leben bekommen und können Menschen Schutz und Wärme bieten.

Nachdenken über das, was wirklich wichtig ist

Das Aktionszelt war dabei mehr als nur eine Sammelstelle. Neben der Fotoausstellung der Fotografin Julia Moras gab es eine Mitmachaktion, die eine ungewöhnliche Frage stellte:

„Wenn du heute obdachlos werden würdest – welchen Luxusartikel würdest du in deinen Überlebensrucksack mitnehmen?“

Die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, ihre Antwort auf einer Stellwand festzuhalten. Daraus entstanden viele persönliche Gespräche darüber, was Menschen wichtig ist, worauf sie auch in einer schwierigen Situation nicht verzichten möchten und welche kleinen Dinge ihnen ein Stück Normalität oder Lebensqualität geben.

Die Frage führte schnell über den einzelnen Gegenstand hinaus: Was brauchen wir eigentlich wirklich? Was gibt uns Sicherheit, Trost oder ein Gefühl von Zuhause? Und was bleibt, wenn wir plötzlich nicht mehr selbstverständlich über einen eigenen Rückzugsort verfügen?

Die Mitmachaktion schaffte auf diese Weise einen persönlichen Zugang zum Thema Wohnungslosigkeit und brachte Festivalbesucherinnen und -besucher mit dem Team der Vinzenzpforte ins Gespräch.

Mit Bildern hinschauen

Die Fotoausstellung von Julia Moras ergänzte die Gespräche um eine weitere Perspektive. Zu sehen waren ausgewählte Fotografien aus „Sammlerstück“, die im Rahmen des Sozialen Stadtrundgangs des Sozialcafés Vinzenzpforte durch Hildesheim entstanden sind.

Die Bilder zeigen Orte, an denen Menschen ohne Wohnung sich aufhalten, zurückziehen oder ihren Alltag verbringen. Sie lenken den Blick auf Lebensrealitäten, die im Stadtbild häufig übersehen werden.

So entstand im Aktionszelt eine Verbindung aus Information, persönlichem Austausch und der Möglichkeit, sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Wohnungslosigkeit auseinanderzusetzen.

Viele Begegnungen auf dem Festivalgelände

Für das Team ging es bei „BETT statt MÜLL“ aber um mehr als das Sammeln von Sachspenden. Immer wieder entstanden Gespräche mit den Festivalbesucherinnen und -besuchern. Manche erzählten, warum sie ihre Campingausrüstung abgeben wollten, andere kamen mit Fragen zur Situation obdachloser Menschen ins Gespräch.

„Viele haben beim Abgeben erzählt, warum sie spenden. Allein dieser Austausch und die persönlichen Geschichten waren für uns sehr wertvoll. Wir haben unglaublich viel Anerkennung und Zuspruch erfahren“, berichtet Marie Hilgenfeld.

Auch die besondere Atmosphäre des M’era Luna blieb dem Team in Erinnerung. Die Begegnungen wurden als offen, wertschätzend und unkompliziert erlebt.

Ein besonderes Erlebnis für die Gäste der Vinzenzpforte

Für viele der beteiligten Gäste des Sozialcafés war das Wochenende auch persönlich etwas Besonderes. Ein Festivalbesuch ist für Menschen mit wenig finanziellen Möglichkeiten häufig nicht selbstverständlich.

Bei „BETT statt MÜLL“ waren sie nicht nur dabei, sondern gestalteten die Aktion aktiv mit: Sie gingen mit dem Bollerwagen über das Gelände, nahmen Spenden entgegen, kamen mit Menschen ins Gespräch und waren Teil des Festivalgeschehens.

„Die Aktion war für uns eine echte Win-Win-Situation. Der Erfolg zeigt sich für uns nicht nur in der Menge der gesammelten Sachspenden. Auch unsere Gäste konnten ein Festival erleben, das für sie sonst unerschwinglich gewesen wäre. Gleichzeitig konnten sie gemeinsam mit den Festivalbesucherinnen und -besuchern etwas Sinnvolles für andere Menschen tun“, sagt Marie Hilgenfeld.

Nachhaltigkeit und soziale Hilfe verbinden

„BETT statt MÜLL“ verbindet zwei Gedanken, die eng zusammengehören: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.

Was nach einem Festival nicht mehr gebraucht wird, muss nicht zwangsläufig Abfall werden. Ein Schlafsack, eine Isomatte oder ein Zelt kann weiter genutzt werden – und für einen Menschen ohne Wohnung einen ganz konkreten Unterschied machen.

Die Aktion zeigt, dass nachhaltiges Handeln nicht kompliziert sein muss. Manchmal beginnt es damit, etwas, das man selbst nicht mehr braucht, nicht wegzuwerfen, sondern weiterzugeben.

Unterstützt wurde die Aktion von den Maltesern, die beim Aufbau des Aktionszeltes halfen. Gemeinsam mit den Gästen der Vinzenzpforte, Sozialarbeitenden und weiteren Engagierten wurde das Festivalwochenende zu einer besonderen gemeinsamen Erfahrung.

Drei Wagenladungen voller Hilfe

Am Ende standen rund 80 Schlafsäcke, 30 Isomatten und Luftbetten, neun Zelte und weitere Campingartikel für die Weitergabe bereit.

Die Sachen sind inzwischen sortiert, gereinigt und bei den Hildesheimer Organisationen angekommen, die Menschen ohne Wohnung unterstützen.

Für das Team der Vinzenzpforte steht deshalb fest: „BETT statt MÜLL“ soll weitergehen.

„Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!“, sagt Marie Hilgenfeld.