Fahrradtour zum Welthospiztag

Mitarbeitende des Hospiz‘ Luise sind am Wochenende durch Hannover geradelt, um zum Welthospiztag auf Möglichkeiten würdigen Sterbens hinzuweisen. 

HANNOVER. „Es geht uns heute darum, etwas in Bewegung zu setzen und auf Hospiz-Arbeit aufmerksam zu machen“, sagt Amely Schönthaler, Koordinatorin für das Ehrenamt beim ambulanten Hospizdienst Luise. „Deshalb schwingen wir uns aufs Rad, um mit den Menschen in Hannover ins Gespräch zu kommen.“ So radeln bei strahlendem Herbstwetter acht hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitende in weißen Hospiz-Luise-Trikots aus Hannover Kirchrode, wo das Hospiz Luise in einem grünen Wohngebiet liegt, Richtung Innenstadt. In den Fahrradkörben flattern Flyer, Broschüren und kleine Tüten mit Fruchtgummis.

Der Welthospiztag am 9. Oktober soll zeigen, was Hospizarbeit und Palliativversorgung leisten können. Das Motto lautet in diesem Jahr – „Leben! Bis zum Schluss.“ Und viele Menschen, die dem kleinen Fahrradpulk aus dem Hospiz Luise begegnen, reagieren sehr offen. Einige berichten von eigenen Erlebnissen mit verstorbenen Angehörigen. Etwa eine Passantin, die ihre Mutter in ihren letzten Stunden begleitet hat. „Ich finde, das Thema würdiges Sterben sollte viel mehr Öffentlichkeit erfahren“, erklärt die 64-Jährige. „Gleichzeitig muss aber auch mehr Geld in die deutschen Hospize investiert werden, insbesondere auch aus öffentlichen Kassen.“

Anke Hanemann, die als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospiz‘ Luise an der Fahrradtour teilnimmt, weiß aus ihrem Berufsalltag, was die Unterfinanzierung des Gesundheitssystems für sterbende Menschen bedeutet. „Seit Einführung der Fallpauschale 2003 ist in Deutschland kaum mehr Raum für würdiges Sterben in Krankenhäusern“, betont Hanemann, die als erfahrene Intensiv- und Anästhesiekrankenschwester diese Entwicklung hautnah miterlebt hat. „Deshalb engagiere ich mich neben meiner Arbeit als Krankenschwester ehrenamtlich im Hospiz Luise. Hier sehe ich, dass Menschen die angemessene Zeit und Zuwendung erfahren, um im Beisein von Angehörigen in Würde sterben zu können.“

Das Hospiz Luise in Hannover Kirchrode ist eine Einrichtung der Vinzentinerinnen Hildesheim. Inzwischen arbeiten 27 Angestellte und 53 Ehrenamtliche in dem Hospiz, das schwerkranken und sterbenden Menschen sowohl eine stationäre Aufnahme anbietet als auch eine Begleitung in den eigenen vier Wänden durch den angeschlossenen Ambulanten Hospiz- sowie den Palliativdienst. Die täglichen Kosten des Betriebs werden nur zum Teil von Kranken- und Pflegekassen finanziert, dennoch erhebt das Hospiz Luise keinen Eigenanteil von Patient*innen. „Im Hospiz Luise und seinen ambulanten Diensten können wir Menschen mehr Zeit schenken, als im öffentlichen Gesundheitssektor üblich, weil wir durch ehrenamtliche Mitarbeitende und Spender*innen unterstützt werden“, erklärt Hospizleiter Kurt Bliefernicht. „Deshalb ist es so wichtig, dass Bürger*innen von der Hospiz-Bewegung und den Möglichkeiten, sich zu engagieren, erfahren.“

Es gibt aber auch Menschen, die sich selbst am Welthospiztag nicht mit würdigem Sterben beschäftigen wollen. Einige machen einen großen Bogen um das Hospiz-Team, andere haben leider keine Zeit. Etwa ein Grüppchen junger Frauen, die sich, Prosecco in der Hand, zum Brautkleid-Shoppen verabredet haben. Erklärung: „Da passt der Tod jetzt nicht so gut.“ „Das verstehe ich natürlich“, sagt Nicole Friederichsen, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Hospiz‘ Luise. Obwohl das Lebensende gerade bei Hochzeiten („Bis, dass der Tod euch scheide“) eine Rolle spielte. Und das sei eine gute Tradition. „Im Hospiz Luise merken wir jeden Tag: Das Sterben gehört zum Leben dazu“, so Friederichsen. „Deshalb sollten wir uns als Gesellschaft nicht nur am Welthospiztag damit beschäftigen, wie wir Menschen ein würdiges Leben ermöglichen können – bis zum Schluss.“

Weitere Informationen unter www.hospiz-luise.de.