Dokumentarfilm zu einer jungen Familie im Hospiz Luise

HANNOVER. Als Kurt Bliefernicht, Leiter des Hospiz Luise, die Anfrage erreichte, ob er sich an die Familie Wachsmuth erinnere, hatte er augenblicklich diesen kleinen Jungen vor Augen, der über die Flure des Hospiz Luise gerannt war. Mitte der 90-Jahre: Das Hospiz in Hannover-Kirchrode war gerade eröffnet (als erstes stationäres Hospiz in Niedersachsen) und das Team hatte noch keine Erfahrung in der Begleitung einer so jungen, sterbenden Mutter und ihrer Familie.

Der Dokumentarfilm „Zimmer 7“ erzählt in berührenden Bildern, wie die Geschwister mit der Krebserkrankung ihrer Mutter und ihrem Tod umgehen. Bis heute. Im Mittelpunkt steht die hochschwangere Schwester Inga, die das Hospiz in Hannover Kirchrode besucht, um ihre tragische und ungewöhnliche Familiengeschichte zu erzählen. Es geht um Angst und Abschiednehmen. Die Erinnerungen werden in liebevollen Animationen und leuchtenden Familienfotos zum Leben erweckt. Gemeinsam gehen die drei Geschwister mit Kurt Bliefernicht und der damaligen Hospizleiterin Felicitas Hanne der Frage nach, wie sie der frühe Tod der Mutter durch das Leben begleitet.

Dies gelingt besonders berührend, weil mit Sören Wachsmuth der jüngste Bruder, der damals über die Hospizflure flitzte, selbst Regie geführt hat. „Zimmer 7“ ist Wachsmuths BA-Arbeit im Studiengang Medien und Design der Hochschule Hannover. Die Premiere an diesem Donnerstag, 21. April, beruht auf einer Kooperation der Hochschule Hannover mit dem Hospiz Luise, die Professorin Verena Begemann von der Fakultät Diakonie, Gesundheit und Soziales mit praxisnahen Formaten vorantreibt.

Sören Wachsmuth sagt heute, die Gespräche mit den Geschwistern und das Durchgehen der Fotoalben, hätten sich wie „eine Rekonstruktion seiner Kindheit“ angefühlt. Und auch im Hospiz Luise hat diese Familiengeschichte Spuren hinterlassen. Schließlich zeigte sich in dieser Zeit, dass neben der Trauer auch das Lachen und die Unbeschwertheit spielender Kinder in ein Hospiz gehörten.

An dieser Offenheit hatte Felicitas Hanne, damals Hospizleiterin und Ordensschwester, einen besonderen Anteil. Sie lud die Kinder in den Garten des Hospiz Luise ein, ging mit ihnen zu McDonalds oder auf dem Maschsee paddeln. Drei Wochen, die den Geschwistern wie eine Ewigkeit vorkamen. „Liebe kennt keine Kilometer und Trauer keine Zeit“, so sagt es Kurt Bliefernicht am Ende des Films. Das Abschiednehmen darf weitergehen.